Musik von Menschen, die sich für die Freiheit entschieden haben. Im Leben und in der Musik. Keine Kompromisse, kein Plan B.
Ein Beispiel.
Ornette Coleman hat ohne Akkorde gespielt. Nicht weil er keine kannte, sondern weil sie ihn eingesperrt haben. Er hat die Harmonien nicht abgeschafft weil er es nicht konnte — sondern weil sie ihm im Weg standen. Das ist Jazz: nicht die Musik. Die Haltung. Die Entscheidung, immer weiter zu spielen statt zu wiederholen.
Joachim Kühn, geboren 1944 in Leipzig, klassisch ausgebildet, auf dem Weg zum Konzertpianisten — bis sein Bruder Rolf ihm eine Coltrane-Platte aus dem Westen mitbrachte. Von da an war Jazz sein Leben. Kühn wurde der einflussreichste Pianist der DDR-Szene. Aber ein Staat, der Freiheit als Bedrohung verstand, war mit Joachim Kühn nicht kompatibel. 1966 nutzte er eine Einladung nach Wien und kehrte nicht zurück. Die SED hatte ihn schwören lassen wiederzukommen. Er schwor. Und ging.
Zehn Jahre. Zehn Stunden am Tag. Kühn hat sich vorbereitet, alles zu können — und dann alles zu vergessen. Coleman hat keine Pianisten gemocht. Das Instrument denkt in Akkorden, und Akkorde waren genau das, was Coleman nicht wollte. Kühn war einer der wenigen, mit denen er trotzdem spielte. Weil Kühn bereit war, alles loszulassen.
Freiheit.
„Let's play, Ornette."