HIGH-RES AUDIO ERKLÄRT
Warum es nicht um Fledermaus-Frequenzen geht
Die falsche Diskussion
„Menschen hören nur bis 20 kHz. Hi-Res ist Marketing. Das hört doch keiner.“
Diese Diskussion führen Audiophile seit Jahren. Sie verfehlt den Punkt.
Es geht nicht darum, ob du 25 kHz als Piepton hören kannst. Das kannst du nicht – außer du bist eine Fledermaus. Es geht um etwas anderes: die Güte der Schallwelle.
Was Hi-Res wirklich bedeutet
Analoges Audio ist eine kontinuierliche Welle – unendlich viele Werte, fließende Übergänge. Digitales Audio ist eine Annäherung: Wir messen die Welle in regelmäßigen Abständen und speichern diese Messpunkte.
CD-Qualität: 44.100 Messpunkte pro Sekunde. Hi-Res (192 kHz): 192.000 Messpunkte pro Sekunde.
Mehr Messpunkte bedeuten nicht „mehr Frequenzen für Fledermäuse“. Sie bedeuten: eine genauere Abbildung des Originals. Der Unterschied liegt in der Präzision – nicht in der Tonhöhe.
Was ich nach 30 Jahren im Studio höre
Ich habe tausende Stunden mit Mixing und Mastering verbracht. Hier ist, was Hi-Res und Analog anders machen – und was du auch hören wirst, wenn du weißt, worauf du achten musst:
Hallfahnen
Wenn ein Klang in einem Raum verklingt, hörst du den Nachhall – die „Hallfahne“. Bei komprimiertem Audio werden diese feinen Ausklänge abgeschnitten oder verschmiert. Bei Hi-Res und Analog atmen sie aus. Der Raum wird hörbar. Das ist einer der offensichtlichsten Unterschiede: Schließ die Augen und du bist im Aufnahmeraum.
Soundstage und Räumlichkeit
Wo steht der Bassist? Wie weit ist das Schlagzeug entfernt? Bei Hi-Res wird die räumliche Staffelung deutlich klarer. Instrumente haben ihren Platz – sie schwimmen nicht in einem flachen Brei. Das nennen Audiophile „Soundstage“, und bei guten Aufnahmen in hoher Auflösung ist sie dreidimensional.
Transienten und Impulstreue
Der Anschlag einer Klaviertaste. Das Einschwingen einer Geigensaite. Der Attack einer Snare. Diese Momente sind extrem kurz – Millisekunden. Je höher die Abtastrate, desto präziser werden sie erfasst. Der Klang wird „schneller“, direkter, lebendiger.
Das De-Esser-Problem (für die Nerds)
Als Mixing Engineer verbringt man Stunden damit, Gesangsspuren zu bearbeiten. Du drehst die Höhen rein, damit die Stimme präsent klingt – und dann zischen die S-Laute unangenehm scharf. Also setzt du einen De-Esser ein, ein Tool das genau diese Frequenzen wieder abdämpft.
Bei analogen Bandaufnahmen? Kämst du nicht auf die Idee. Die S-Laute klingen einfach wie S-Laute – natürlich, nicht zischelig. Hi-Res kommt da wieder ran. Digitale Artefakte verschwinden, die Natürlichkeit kehrt zurück.
Und was sagt die Wissenschaft?
Hier wird es interessant. Eine japanische Forschergruppe um Tsutomu Oohashi hat untersucht, ob unhörbare Frequenzen über 20 kHz trotzdem einen Effekt haben. Das Ergebnis: Wenn Musik diese hochfrequenten Anteile enthielt, zeigten die Probanden erhöhte Alpha-Wellen-Aktivität im Gehirn – obwohl sie die Frequenzen nicht bewusst hören konnten.
Die Studie ist umstritten. Andere Forscher konnten in Blind-Tests keinen bewussten Unterschied nachweisen. Aber genau das ist der Punkt: Wir nehmen mehr wahr, als wir bewusst hören. Der Körper reagiert auf die vollständige Schallwelle – nicht nur das Ohr.
Menschlicher Gesang, Schlagzeug-Becken, akustische Instrumente – sie alle produzieren Obertöne über 20 kHz. Die siehst du im Frequenzanalyzer. Und auch wenn du sie nicht als separate Töne hörst: Sie tragen zum Gesamtklangbild bei. Sie geben dem Sound seine Textur, seine Lebendigkeit.
Quelle: Oohashi, T. et al. (2000): „Inaudible high-frequency sounds affect brain activity: hypersonic effect.“ Journal of Neurophysiology, 83(6), 3548-3558.
Brauchst du Hi-Res?
Wenn Musik Hintergrundrauschen ist: Nein.
Wenn du nebenbei hörst: Nein.
Wenn du im Bus mit Bluetooth-Stöpseln hörst: Spar dir die Bandbreite.
Aber wenn du dich hinsetzt, die Augen schließt und wirklich zuhörst – dann macht es einen Unterschied.
Nicht bei jedem Track. Aber bei akustischen Aufnahmen, Jazz-Combos, klassischer Kammermusik, bei Stimmen und Räumen:
Da hörst du es.

Hi-Res Audio erleben – einfacher als du denkst
Vergiss, was du über teure Setups gehört hast. Du brauchst keinen externen DAC, keine Studio-Monitore, kein audiophiles Wohnzimmer.
Der schnellste Weg zu Hi-Res Audio:
- Nimm einen Kopfhörer mit Kabel (ja, dein alter reicht)
- Steck ihn in dein Smartphone
- Öffne die Mother Earth Radio App
- Drück Play
Das war’s. Ernsthaft.
Warum das funktioniert: Dein Smartphone hat bereits einen DAC eingebaut – einen Digital-Analog-Wandler, der 192 kHz verarbeiten kann. Die meisten wissen das nur nicht. Der Flaschenhals ist Bluetooth: Es komprimiert das Signal, bevor es bei deinen Ohren ankommt. Mit einem Kabel umgehst du das komplett.
Kein Hustle. Kein Voodoo. Kein 500-Euro-Setup. Hi-Res Audio auf dem Ohr – für unter 20 Euro.
Für Audiophile: Das volle Setup
Wenn du das Maximum rausholen willst, kannst du natürlich aufrüsten:
Externer DAC: Geräte wie der FiiO E10K oder Topping DX3 Pro+ liefern noch sauberere Wandlung als der Smartphone-DAC.
Offene Kopfhörer: Sennheiser HD 600, Beyerdynamic DT 990 oder AKG K712 – offene Bauweise für natürlichere Bühne und bessere Räumlichkeit.
Ruhige Umgebung: Hi-Res entfaltet sich am besten, wenn du dich aufs Hören konzentrierst. Die feinen Details gehen in der U-Bahn unter.
Aber das ist Kür, nicht Pflicht. Der Einstieg ist einfach – und du hörst den Unterschied auch ohne Profi-Equipment.
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Mother Earth Radio streamt in bis zu 192 kHz / 24 Bit FLAC – verlustfrei, direkt von Vinyl digitalisiert. Vier kuratierte Kanäle: Jazz, Klassik, Eklektisch, Instrumental.
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